Wo in unserer Küche Mikro- und Nanoplastik entsteht und wie man es einfach vermeidet
Ein einziger Teebeutel aus Kunststoffgewebe gab im Labor bei 95 °C rund 11,6 Milliarden Mikroplastik- und 3,1 Milliarden Nanoplastikpartikel ab. Seit dieser Studie aus dem Jahr 2019 hat die Forschung weitere Quellen in unserer Küche aufgespürt. Die gute Nachricht: Gegen fast alle gibt es einfache Alternativen.
Die Teebeutel-Studie aus Kanada (Hernandez et al. 2019) war ein Weckruf. Sie betraf eine bestimmte Art von Pyramidenbeuteln aus Nylon oder PET, nicht die klassischen Papierbeutel. Doch sie warf eine unbequeme Frage auf: Was geschieht, wenn Kunststoff auf Hitze, Fett oder Säure trifft?

Foto: Alex Zorach / RateTea, CC BY-SA 4.0
Forschende der University of Nebraska erhitzten handelsübliche, für Lebensmittel zugelassene Behälter aus Polypropylen und Beutel aus Polyethylen drei Minuten lang in der Mikrowelle. Pro Quadratzentimeter Behälteroberfläche wurden bis zu vier Millionen Mikroplastik- und über zwei Milliarden Nanoplastikpartikel freigesetzt. In Zellkulturen starben bei der höchsten Partikelkonzentration nach zwei Tagen rund drei Viertel der embryonalen Nierenzellen (Hussain et al. 2023). Solche Laborkonzentrationen sind nicht direkt auf den Menschen übertragbar, die Richtung aber ist ein Warnsignal, gerade für Babynahrung, die oft in Kunststoffbehältern erwärmt wird.
Mit einer neuen Lasermikroskopie konnte ein Team der Columbia University erstmals auch winzige Nanopartikel in Flaschenwasser einzeln zählen. Ein Liter enthielt im Durchschnitt rund 240.000 Kunststoffpartikel, etwa 90 % davon Nanoplastik, also kleiner als ein Tausendstel Millimeter. Das sind zehn- bis hundertmal mehr Partikel als in früheren Studien, die nur die größeren Teilchen erfassen konnten (Qian et al. 2024). Österreich hat übrigens Leitungswasser von hervorragender Qualität, das ohne Plastikflasche auskommt.
Was jede und jeder tun kann
Speisen nicht in Kunststoffbehältern erhitzen, sondern in Glas oder Porzellan. Losen Tee oder Papierbeutel verwenden. Leitungswasser trinken, wo es gut ist. Heiße Getränke nicht in Kunststoffbechern servieren. Und abgenutzte, zerkratzte Plastikbehälter rechtzeitig ersetzen. Keine dieser Maßnahmen kostet viel, und jede verringert die tägliche Partikelaufnahme.
Was wir tun
Proven by Nature informiert, in Kooperation mit dem WWF Österreich, über den Stand der Forschung zu Plastik in unserem Alltag und prüft im Freiland, ob angeblich abbaubare Materialien halten, was sie versprechen. Denn auch Alternativen zum herkömmlichen Kunststoff müssen sich daran messen lassen, ob sie Mikroplastik bilden. Mit dem Schulprojekt PLASTIKLAR wollen wir Jugendliche zu Mitforschenden machen, die solche Fragen selbst stellen. Machen Sie mit oder unterstützen Sie unsere Arbeit.
Quellen
Hussain, K. A., Romanova, S., Okur, I. et al. (2023): Assessing the release of microplastics and nanoplastics from plastic containers and reusable food pouches: implications for human health. Environmental Science & Technology 57(26): 9782–9792. https://doi.org/10.1021/acs.est.3c01942
Qian, N., Gao, X., Lang, X. et al. (2024): Rapid single-particle chemical imaging of nanoplastics by SRS microscopy. Proceedings of the National Academy of Sciences 121(3): e2300582121. https://doi.org/10.1073/pnas.2300582121
Hernandez, L. M., Xu, E. G., Larsson, H. C. E. et al. (2019): Plastic teabags release billions of microparticles and nanoparticles into tea. Environmental Science & Technology 53(21): 12300–12310. https://doi.org/10.1021/acs.est.9b02540


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