Das Meer im Salzstreuer

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Warum Meersalz Mikroplastik enthält und was es über unsere Ozeane verrät

Meersalz gilt als naturbelassen und gesund. Doch wer Meerwasser verdunsten lässt, erntet alles, was darin schwimmt. Studien aus aller Welt finden Mikroplastik in fast jedem Speisesalz. Das ist weniger eine Gefahr für den Teller als ein Spiegel für den Zustand der Meere.

Eine große internationale Untersuchung prüfte 39 Speisesalze aus 21 Ländern. In 36 davon fanden sich Mikroplastikpartikel. Meersalz war am stärksten belastet, Steinsalz am wenigsten, aber auch dieses nicht immer frei davon. Die höchsten Werte stammten aus Regionen mit besonders hohem Plastikeintrag ins Meer (Kim et al. 2018). Meersalz ist damit ein Indikator: Es zeigt, wie viel Plastik im Wasser treibt, aus dem es gewonnen wurde.

Neuere Studien bestätigen und verfeinern dieses Bild. In 13 europäischen Meersalzen aus Atlantik und Mittelmeer fanden Forschende im Mittel rund 470 Partikel pro Kilogramm, mit einer Spanne von 74 bis über 1.100. Drei Viertel davon waren Fasern, etwa von Textilien und Seilen. Überraschend: Traditionell geerntete Salze waren deutlich geringer belastet als industriell gewonnene (Thiele et al. 2023). Auf Bali enthielten alle 20 untersuchten Salzmarken Mikroplastik, importierte Salze mehr als lokal gewonnene (Suteja et al. 2025).

Für die eigene Gesundheit ist Salz eine vergleichsweise kleine Quelle. Bei üblichem Salzkonsum nimmt man auf diesem Weg einige Hundert bis wenige Tausend Partikel pro Jahr auf, deutlich weniger als etwa über Wasser aus Plastikflaschen. Hinzu kommt, dass die Studien mit unterschiedlichen Methoden und Mindestgrößen arbeiten und ihre Zahlen deshalb nur eingeschränkt vergleichbar sind (Thiele et al. 2023). Wer möchte, kann zu Steinsalz oder traditionell geerntetem Meersalz greifen. Die eigentliche Botschaft liegt aber woanders: Wenn selbst das Salz aus dem Meer Kunststoff enthält, dann ist die Verschmutzung der Ozeane nicht abstrakt, sondern auf unserem Esstisch angekommen.

An der Adria, etwa in Pag, Nin oder Ston, hat die Meersalzgewinnung eine jahrhundertealte Tradition. Proven by Nature untersucht unter anderem im Meer vor Krk, in Kooperation mit dem WWF Österreich, wie sich Kunststoffe und Biokunststoffe im Meer verhalten und ob aus ihnen Mikroplastik entsteht. Denn jedes Stück Plastik, das heute ins Meer gelangt, kann morgen als Faser im Salz landen. Mit unserem Schulprojekt PLASTIKLAR wollen wir Jugendliche zu Mitforschenden machen. Machen Sie mit oder unterstützen Sie unsere Arbeit.

Suteja, Y., Dirgayusa, I. G. N. P., Purnama, S. G. & Purwiyanto, A. I. S. (2025): From sea to table: Assessing microplastic contamination in local and non-local salt in Bali, Indonesia. Chemosphere 374: 144192. https://doi.org/10.1016/j.chemosphere.2025.144192

Thiele, C. J. et al. (2023): Microplastics in European sea salts – An example of exposure through consumer choice and of interstudy methodological discrepancies. Ecotoxicology and Environmental Safety 255: 114782. https://doi.org/10.1016/j.ecoenv.2023.114782

Kim, J.-S., Lee, H.-J., Kim, S.-K. & Kim, H.-J. (2018): Global pattern of microplastics (MPs) in commercial food-grade salts: Sea salt as an indicator of seawater MP pollution. Environmental Science & Technology 52(21): 12819–12828. https://doi.org/10.1021/acs.est.8b04180