Ein Nudelsieb in 90 Metern Tiefe, eine ungarische Pasta mit Doppelgängerin und die Frage, warum Forschende manchmal lachen müssen
Wer erforscht, ob „biologisch abbaubare“ Kunststoffe in der Natur tatsächlich verschwinden, braucht vor allem eines: Geduld. Und eine gewisse Toleranz für Enttäuschungen, denn meist passiert schlicht nichts. Umso kostbarer sind die Momente, in denen das Forschungsteam unvermittelt schmunzeln muss. Zwei davon wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.
Fundstück 1: Das Sieb, das aufgab
Wissenschaftliche Ausrüstung muss nicht teuer sein. Für einen unserer ersten Langzeitversuche dienten Nudelsiebe aus dem Supermarkt als Versuchsbehälter, gefüllt mit Granulat eines als abbaubar beworbenen Biopolymers. Spezialtaucher befestigten sie an einer Struktur, die für ein anderes Projekt in 90 Metern Tiefe im Mittelmeer versenkt wurde. Zur Sicherheit spendierten wir den Sieben sogar eine provisorische Opferanode, die sie vor Korrosion schützen sollte.


Ein Nudelsieb aus dem Supermarkt nach rund acht Monaten in 90 Metern Tiefe im Mittelmeer. Das Metall ist trotz Opferanode durchgerostet, das Biopolymer-Granulat darin bis auf einen dünnen Biofilm praktisch unverändert.
Rund acht Monate später kehrten die Taucher zurück. Die Fotos sind technisch keine Meisterwerke, in 90 Metern Tiefe und trübem Wasser ist das kaum zu erwarten. Aber sie zeigen deutlich, worauf es ankommt: Die Siebe waren durchgerostet. Durch die Löcher blickte uns das Granulat entgegen, abgesehen von etwas Biofilm praktisch unversehrt. Das Metall hatte aufgegeben, der Kunststoff nicht.
Ein Beweis, dass sich dieses Material nie abbaut, ist das nicht. Einen solchen Beweis in der Natur zu führen, ist wissenschaftlich heikel, und darum ging es uns auch nicht. Das Bild zeigt etwas anderes: Ein Zertifikat, das unter Laborbedingungen und an dünnen Proben vergeben wurde, sagt wenig darüber, was ein Material am Meeresgrund tut.
Fundstück 2: Finden Sie den Kunststoff
Szenenwechsel. Nach Wochen, in denen unser Team täglich mit Kunststoffgranulat zu tun hatte, wollten wir eines Abends schnell etwas kochen. Wir waren gerade im pannonischen Raum, und so landete eine Packung Tarhonya im Topf, die ungarische Eiergraupen-Nudel. Erst in diesem Moment fiel uns auf: Tarhonya sieht aus wie Granulat. Oder Granulat wie Tarhonya. Ein Beweisfoto war Pflicht.

Nudel oder Kunststoff? Links [Tarhonya / Granulat], rechts [Granulat / Tarhonya]. Die ungarische Eiergraupen-Nudel und das Granulat sind sich zum Verwechseln ähnlich, nur eines davon ist essbar. Die Herstellungstechnologie hingegen – die muss identisch sein.
Und warum wir das erzählen
Nein, das Thema ist nicht lustig. Kunststoffe, die als abbaubar gelten und es in der Natur nicht sind, landen in Böden, Flüssen und im Meer. Aber wer jeden Tag mit ernüchternden Ergebnissen arbeitet, lernt die kleinen Momente zu schätzen, in denen das Leben einem zuzwinkert. Sie machen die Arbeit leichter, und manchmal erklären sie mehr als jede Tabelle. Ein rostiges Nudelsieb mit intaktem Inhalt bleibt im Gedächtnis.
Proven by Nature prüft weiter, mit besseren Versuchsbehältern, aber mit derselben Neugier. Die Natur hat das letzte Wort. Manchmal hat sie dabei auch Humor.


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